Der Friedhof
Ehrenmale
Das Pastorrat

In mitten des Friedhofs, der die Form eines Schiffrumpfes hat, liegt die Laurentius Kirche. Der Weg der Geschichte der christlichen Kultur hat in Kosel besondere Spuren hinterlassen. Unter dem Dänenkönig Sven Estridsen (1047-1074) wurde Dänemark endgültig christianisiert. "Erfestigte die Bistümer in Dänemark und teilte das ganze Land in Kirchspiele ein. Da diese Einteilung im Großen und Ganzen fast unverändert geblieben ist, dürfte dies auch für das Kirchspiel Kosel zutreffen. In Dänemark, das damals bis zur Eider reichte, standen in jener Zeit sehr viele Holzkirchen. Fast so viele Holzkirchen wie alte Kirchen auf unsere Zeit überkommen sind. Diese Holzkirchen sind alle vergangen. Aber an ihrer Stelle wurden Steinkirchen errichtet. Und nichts spricht dagegen, dass dies auch in Kosel der Fall war, denn Kosel und auch Weseby standen stets in einer besonderen Weise unter dem Einfluss Schleswigs.

Der Koseler Kirchbau mit seinem Langhaus
und Altarraum ist in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts
nachgewiesen. Sie ist eine romanische Rundturmkirche teils aus
Granitfindlingen und teils mit roten Ziegeln erbaut. Obwohl in Jütland
zur selben Zeit sehr viele Kirchen gleichen Stils gebaut worden sind,
weist die Koseler Kirche dennoch starke Einflüsse holsteinischer
Kirchbauart auf, wie z.B. ein Vergleich mit der Kirche von Ratekau, die
auch im 12. Jahrhundert erbaut worden ist, zeigt. Jütische Kirchen sind
in der Regel aus gleichmäßig bearbeiteten Granitquadern gebaut,
holsteinische Kirchen, wie eben auch die Koseler, stehen auf unbehauenen
bzw. nur einseitig bearbeiteten Granitsteinen. Auch der Rundturm, der im
jütischen Bereich nicht vorkommt, weist auf Holstein hin. Das verwundert
nicht, denn die holsteinische Ritterschaft hatte zur Zeit des Kirchbaus
sich bereits in Kosel und Umgebung niedergelassen.
Die Kirche wurde dem Heiligen Laurentius geweiht. Geschah diese Namensgebung in Gedenken an die Laurentiusnacht am 09. August 1250 als der dänische König Erik vor Missunde auf Anstiftung seines Bruders in der Schlei geköpft wurde?
Ein Patronatsrecht konnten die adligen Geschlechter über die Kirche in Kosel allerdings nie erlangen, es stand ausschließlich dem dänischen König zu. Darum war die Kirche wohl nicht immer in einem guten Zustand, denn die sie nutzenden Gutsherren waren zur Instandhaltung nicht verpflichtet. "Erst als 1646 Pastor Flor sein Amt angetreten hatte und bei den Gutsherren auf Eschelsmark und Ornum Eingang fand, konnte er dort das Interesse an einer Instandsetzung der Kirche wecken. In den folgenden Jahren erhielt der Turm und die Kirche ein Schindeldach.

Aus dieser Zeit stammen die Deckenmalereien im Altarraum, die 1968 freigelegt worden sind, und die Wandmalereien, die die 12 Apostel darstellen und 1863 zerstört und übertüncht worden sind. Es wird behauptet, dass der damalige Pastor dieses 1863 vornehmen ließ, weil die Konfirmanden mehr die Verse unter den Bildern studierten als nach der Predigt hörten.

Über die Jahrhunderte ist diese romanische Kirche immer wieder in ihrem Aussehen verändert worden. Die Feldsteine sind aber geblieben wie der für Kosel typische Rundturm, mit seiner, wie gesagt, umstrittenen Funktion (Wehrturm oder nur Glockenturm?). Vor dem Altar befand sich das unterirdische Grabgewölbe der Eschelsmarker Gutsherrenschaft. An der Westseite befindet sich eine alte Empore mit der Inschrift: JURGEN BENNE THO BUNSTRUP HEFT DUSSE KAEPSTOL GEBUWET ANNO 1624. "Der Kaepstol war der Kirchenstuhl (Anrn.: wohl Stehplätze) des Gesindes, das keinen Anspruch auf einen festen Platz in der Kirche hatte, während die Gutsherren, die Hufner, die Halbhufner, die Kätner ihren Kirchenstuhl im Langhaus hatten.

Die Messing- Taufschale (nach 1517), in der vermutlich bereits seit der Reformation Generationen von Koseler Bürgern getauft worden sind. Die Schale zeigt in der Mitte
das habsburgische Reichswappen in Gestalt des Doppeladlers mit einem Brustschild auf dem Einzelwappen des Kaisers Karl V. (1519-1556) zu finden sind. Man vermutet, dass
diese und ähnliche Taufschalen (Kirche zu Bargum) aus der Beckenschlägerproduktion stammen und sich thematisch auf die Wahl Karls V. zum deutschen König und
römischen Kaiser beziehen. Der Taufstein ist aus dem 12. Jahrhundert. Das griechische Kreuz ist in das Orts Wappen von Kosel übernommen worden. Bei einer Restaurierung der Kirche 1863 fand der Taufstein keinen Gefallen mehr. Ein Teil diente als Kanzelfuß, der obere als Blumenschale auf dem Friedhof. Erst als man 1935 sich des Wertes dieses Taufsteins bewusst wurde, wurden die Teile wieder zusammengesetzt und in die Kirche zurückgeholt. Ein Taufkleid (um 1870) aus dem Besitz der früher in Ornum ansässigen Familie von Haken. Dieses Taufkleid kann auch heute noch von Koseler Einwohnern zur Taufe ihrer Kinder ausgeliehen werden. Damit ist die Möglichkeit gegeben, die alte Sitte wieder aufleben zu lassen, in einer Dorfgemeinschaft nicht nur in der selben Taufschale getauft zu werden, sondern auch im selben Taufkleid. Es sei an dieser Stelle daran erinnert: In Kosel durfte man noch Mitte Nürnberger des 18. Jahrhunderts kein eigenes Taufkleid benutzen, sondern musste gegen ein Entgelt von 12-32 Schilling eines der 5 Taufkleider der Kirchengemeinde entleihen. Diese sind allerdings nicht mehr vorhanden.

Das Pastorenbild rechts neben der Kanzel. Es zeigt die "Evangelischen Prediger der Coseler Gemeine Seit der Reformation bis 1663". Im Hintergrund ist die Koseler Kirche zu sehen. Vor dem abgebildeten Altar liegen eine gestürzte päpstliche Mitra (Papstkrone), ein Rosenkranz und ein zerbrochener Hirtenstab (Bischofsstab) als Zeichen der neuen Zeit und des Bruches mit der katholischen Kirche.
Zwei Altarleuchter aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein Leuchter trägt die Inschrift: "Diese Leuchter sind für die Kirche zu Cosel, zur Ehre Gottes, unseres Heilandes angeschafft, und sollen dem Allerheiligsten dienen, dem Sakrament des Altars, zum Gedächtnis der Leiden des Herrn, die er aus Liebe für uns trug, in der Nacht da er verraten ward, und werden zeugen davon, dass auch in Cosel Liebe für ihn war, der für uns starb, den Kindern und Kindeskindern. Cosel d. 21. Septbr. 1854". Die Leuchter fertigte wohl Julius Georg Heinrich Boysen aus Schleswig an.
Die Kirche dient der Gemeinde gleichzeitig als Friedhofskapelle. Von hier aus werden die Verstorbenen zur letzten Ruhestätte von der Gemeinde begleitet. Das war nicht immer so. In früheren Zeiten wurden die Verstorbenen im Hause aufgebart und im Hause
aus gesegnet. Dann ging es zum Friedhof. Traditionell gab es anschließend Frische Suppe für die Trauergäste31.
Riesige Grabplatten aus dem 16. und 17. Jahrhundert lehnen außen an der Kirchenwand und zeugen von großen holsteinischen Ritterfamilien der Umgebung. Sie lagen bis zur letzten Kirchenrenovierung im Mittelgang der Kirche.32

Zwei kleine Kunstdenkmale unsers Landes sind dann rechter Hand (südöstlich der Kirche am Rande des Friedhofs) auf der Gruft des früheren Gutsbesitzerpaares (Gut Ornum) Jacob und Julie Mylord zu finden. Das Grab ist erkennbar an den beiden Eisenkreuzen. Als Kleinkunstdenkmale sind die klassizistische Stele "Brandt", die auf dem Grab liegt, und der zwischen den Kreuzen stehende klassizistische Obelisk mit der Aufschrift: "Denkmal- der Elternliebe" in einem Kunst-Topographischen Atlas erfasst.

Über Julie Mylord sollte man wissen, dass sie 1864, nachdem die Preußen bei der Schlacht gegen die Dänen Missunde in Brand geschossen hatten, die Häuser mit Hilfe preußischer Reparationszahlungen wieder aufbauen ließ.

Gedenktafeln für die Oper der Schlacht um Missunde, auf dem Koseler
Friedhof.
(siehe auch Der
Missunder Prahm, Ornumer-Mühle
und Das Hünengrab).
An der Ostseite der Kirche steht ein
Granitstein für 10 Gefallene bei der Schlacht in Missunde 1864. Nach
Auskunft des Pastors Jens Lehmann und der Altbürgermeisters
Friedrich-Wilhelm Voß sind es gefallene dänische Soldaten, die am 7.
Februar unter dem Ehrengeleit einer Kompanie des preußischen
Infanterieregiments Nr. 15 auf dem Kirchhof beigesetzt worden sind.
Wenige Schritte daneben
befinden sich zwei schräg liegende Eisenplatten (1873 angefertigt) auf
Feldsteinfundament mit dahinter stehendem Kreuz. Sie sind den gefallenen
Preußen von 1864 (linke Platte) und den Gefallenen Söhnen des
Kirchspiels Kosel im Krieg gegen Dänemark und gegen Frankreich 1870/71
gewidmet.

Direkt am Friedhof der Kirche liegen zwei Ehrenmale für die Gefallenen beider Weltkriege. Viele Familiennamen bekannter Koseler Bürger sind auf den Steinen zu entziffern.
Jetzt schauen Sie bitte in den Weg "An der
Kirche". Ganz im Hintergrund liegt das Pastorat. Nach einem Brand des Pastorats
1874, bei dem alle Kirchenbücher (auch die im Küsterhaus aufbewahren Kopien) mit
verbrannten, ist es 1875/76 im damals modernem Villenstil wieder aufgebaut
worden. Der amtierende Pastor der Gemeinde, Jens Lehmann, weiß zu berichten,
dass die Pastorenvilla mit Freitreppe und Rondelauffahrt bewusst so gebaut
wurde, damit der Pastor im Ort mit seinem Wohnsitz in Nichts den Gutsherren
nachstehen sollte.

So wie man bei einer Visite bei Gutsherrn auf der Freitreppe zu ihnen hochsteige, so sollten nun auch die Gutsherren, wenn sie zum Pastor kommen, zu ihm hochsteigen. Obwohl die Pastoren nach der Reformation in Kosel zu allen Zeiten auch ohne Freitreppen sehr angesehen waren, hatten sie doch ein hartes Leben. "Nach der Einkoppelung 1794 gehörte der Koseler Kirche eine halbe Hufe, womit sie ein Halbhufner war. Dieses Land diente der Ernährung des Pastors. Ein Gehalt, so wie es die Pastoren heute erhalten, gab es damals nicht. Kam ein junger Pastor nach Kosel und musste sich dort eine Existenz aufbauen, war er gezwungen, das Vieh, die Pferde und die Vorräte von seinem Vorgänger oder dessen Witwe zu erwerben. - Da schon früher die Frauen oftmals ihre Männer überlebten, gab es das Pastorenwitwenhaus. Dieses Gebäude steht heute noch neben dem Fahnendreieck (Anm. Auf dem Ende des unbebauten Dreiecks vor dem Sie stehen). 1880 musste der neue Pastor der Witwe z.B. 84 Mark zahlen. Sie bekam auch die Zinsen eines Reutzischen Legats, das erst nach Ableben der Witwe dem Pastor zustand. Der Pastor lebte aber nicht nur von den Ländereien, die ihm zur Versorgung zustanden. Für die Gottesdienste und Amtshandlungen wie Taufe, Konfirmation, Abendmahl Beichte, Trauung, Beerdigung stand ihm eine Bezahlung zu.
Literatur:
Gemeinde Kosel, Festschrift 200 Jahre von 1777 bis 1977, Manuskript, Beitrag
Helmut Hingst, S. 40
Aus Ulrich Petersens (1656 in Schleswig geboren
und dort auch 1735 gestorben) Lebenswerk, das nur handschriftlich vorliegt und
sich im Reichsarchiv in Kopenhagen befindet. Er hat nach Aussagen von Wilhelm
Steinhagen von 1700 bis 1735 sich diesem Werk gewidmet und ist darüber
gestorben. Sein Werk wird z.zt. im Auftrag der Schleswiger Stadtgeschichte ins
heutige Deutsch übersetzt und lautet: "Der Durchlauchtigsten Herren Hertzogen
von Holstein=Gottorf Haupt= und Residenzstadt Schleswig. Nach ihrer alten und
neuen Situation beschrieben und dargestellet von Ulrico Petersen. Der
Schleswigschen Chronik drittes Buch, von Dem Sleystrohm und anderen an und um
Schleswig angrenzenden Merckwürdigkeiten.
Katalog zur Ausstellung "Glauben - Nordelbiens Schätze 800-2000"
im Auftrag der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche, herausgegeben von
Johannes Schilling, Wachholtz Verlag Neumünster 2000.
Weitere Informationen über
die Koseler Kirche entnehmen Sie bitte dem ausliegenden Kirchenführer von
Friedrich- Wilhelm Voß.
Susanne Störmer, Ein Streifzug durch Kosel,
Stormbraekers Verlag, Elmshorn 2004, S.20
Eine nähere Beschreibung darüber findet
sich in der Kirchenbeschreibung "St. Laurentius zu Kosle" von Friedrich- Wilhelm
Voss, die in der Koseler Kirche ausliegt.
Gerd Stolz und Heyo Wulf, Dänische,
deutsche und österreichische Kriegsgräber von 1848/51 und 1864 in
Schleswig-Holstein, Husum 2004, S.228ff.
Theodor Fontane, Der Schleswig-Holsteinische
Krieg im Jahre 1864, Berlin 1866, S.65
Im Buch "Kunst-Topographie Schleswig-Holstein" von 1969, Auflage 1989, Seite 203 findet sich folgender interessanter Hinweis: Auf dem Friedhof Kosel: Mylord 1825 (Sandstein), kleiner klassizistischer Obelisk. Im Vorwort dieses Buches heißt es: Mit dem vorliegenden Werk erscheint erstmals eine Veröffentlichung, die die Kunstdenkmale unseres Landes in ihrer Gesamtheit vorstellt. Sein Erscheinen verdankt es der akuten Sorge, dass Schleswig-Holsteins Kunstschätze, soweit sie sich nicht in der Obhut der Museen befinden, zunehmend Gefahren ausgesetzt sind, die bis zur Vernichtung wichtigster Zeugnisse der Vergangenheit führen können. ... ich verspreche mir daraus Hilfe für die Kunstdenkmale die bedeutenden, wie auch gerade die bescheidenen -, die in ihrer Gesamtheit die 1ndividualität unseres Landes deutlich machen.