Gut Ornum heute und damals
Das Herrenhaus des Gutshofes Ornum liegt am Ornumer
Noor und ist von hohen Bäumen fast gänzlich dem neugierigen Besucherblick
entzogen.
Noch im 15. Jh. ist Ornum als Dorf ausgewiesen. Im 16. Jahrhundert treten dann
Besitzer des Gutshofes auf, deren Grabsteine zum Teil heute an der Koseler
Kirchenmauer angebracht sind. Namen wie Marquard Seestede, von Hacke, Rantzau zu
Eschelsmark, Ahlefeld, Koch, einige Kaufleute, dann
Mylord im 19. Jh. sind
als Besitzer von Ornum zu nennen. Das Gut ist heute im Besitz der Familie
Freiherr Ulrich von Wagner.

Links: Gut Ornum (1) am Ornumer Noor, im Hintergrund
(2) Königsburg und
Liebesinsel (Schlei).
Rechts: Gut Ornum (1) vom Noor aus gesehen. Im Hintergrund
Eckernförde (2)
und Kosel
(3).
Die Stallungen des Gutshofes brannten 1803 bis auf die Grundmauern nieder. Das Gutshaus selber, früher nahe am Ornumer Noor gelegen, brannte 1826 und wurde dort nicht wieder aufgebaut. Das heutige Gutshaus wurde 1830 an höherer Stelle errichtet. 1876 wurde die Scheune Raub der Flammen durch Brandstiftung. 1884 brannte das Kuhhaus. Ein schöner Park, der bis ans Noor reicht, umgibt das Gutshaus.
Auf dem Hoffelde Glaskoppel, einem Teile der schon 1789 von Eschelsmark erworbenen Pferdekoppel, befand sich früher eine Glashütte, die 1686 urkundlich erwähnt wird". Anfang des 19. Jh. sah man noch die Ruine des Brennofens.
"Ein Ornum ist das Land im Individualeigentum, das außerhalb der Feldgemeinschaft liegt und als altes grundherrschaftliches Relikt wahrscheinlich schon aus der Zeit vor der Einführung der Feldgemeinschaft stand und somit nach Gutdünken bebaut werden darf und nicht mit der Dorfmark vermessen wird."
- Auszug aus dem Registerkommentar zum Juristischen Recht -
"Pesthöft" in OrnumDie Viehseuche in den Jahren 1776 - 1781.
Ornum - Hof ist seit ca. 1600 ein Meierhof von Eschelsmark.*
Im 18. Jh. hielten die Gutshöfe riesige Rinderherden als Mastvieh. Nicht selten zählten die Viehherden über 200 - 300 Stück. Da die Räumlichkeiten der Hofbetriebe nur begrenzt war, richtete man auf dem eigenen Areal sogenannte Meierhöfe** ein. Sie betrieben nur die reine Milchwirtschaft. Den Hauptertrag der Gutsbesitzer kann man mit etwa 2/3 der Gesamteinnahme der Rindermast, bzw. der Milchwirtschaft einordnen. Da die Fütterung über die Wintermonate je nach Ernte sehr problematisch war, schwankte die Rinderzahl ständig. Die Kühe sahen im Winter halb verhungert aus und waren daher auch sehr geschwächt. Im Frühjahr wurden die Kühe nicht selten förmlich auf die Koppeln geschleppt. Der Graswuchs war natürlich mir den Erträgen in heutiger Zeit nicht zu vergleichen. Für eine Kuh rechnete man seinerzeit etwa eine Fläche Land von 1 ¼ Tonnen.
Alles ging gut. Im Jahre 1744 aber nahm ein großes Rindersterben seinen Anfang. Bei uns war die Rinderpest ausgebrochen. Einige Höfe verloren nicht selten ihren gesamten Viehbestand. Die Krankheit trat meistens plötzlich auf, war ansteckend und vernichtete in oft nur einer Woche den ganzen Viehbestand.
Die verendeten Tiere vergrub man. Flurnamen wie "Pesthöft" in Ornum zeigen uns noch heute die Stätten an wo einst das Vieh vergraben wurde.
| Jahr | Pferde | Rindvieh | Schafe | Schweine | Ziegen | Bienenstöcke |
| 1883 | 49 | 212 | 263 | 117 | 7 | 53 |
| 1900 | 61 | 276 | 20 | 238 | 16 | 15 |
| 1907 | 48 | 297 | 6 | 321 | 8 | 26 |
| Jahr | 1875 | 1880 | 1885 | 1890 | 1895 | 1900 | 1905 | 1910 |
| 228 | 209 | 205 | 199 | 190 | 185 | 196 | 179 |
* Chr. Kock, Volks- und Landeskunde von 1912, Seite 155.
** Der Name "Meierhof" wurde abgeleitet von dem Wort Meierei. Denn auf diesen "Meierhöfen" oder "Holländereien" wurden nur Milchkühe gehalten und die Milch in der eigenen Meierei verarbeitet. Die Verwalter, oft war der Hof auch in Pacht vergeben, kamen sehr oft aus Holland. Sie hatten dort mehr Erfahrung mit der Milchwirtschaft.
Die jähzornige Herrin von Ornum
Von den Grausamkeiten gegenüber den Leibeigenen weiß der Volksmund mancherlei zu berichten. Hierzu gehört auch die Sage von Ornum.
Auf Ornum - Hof lebte einst eine Herrin Margaretha von .....?
Sie war wegen ihrer Grausamkeiten und ihrem Jähzorn allgemein gefürchtet. An einem Sonntag ließ sie eine Magd wegen eines geringfügigen Vergehens an den geheizten Ofen binden und begab sich dann zum Gottesdienst nach Kosel. Zurückgekehrt, zeigte die Magd ein verzerrtes Gesicht. Darüber aufgebracht, gab die Herrin der schon toten Magd eine Ohrfeige mit den Worten: "Was, du lachst noch?"
Die Herrin fand aber ein schreckliches Ende und wurde, ihrem Wunsche nach, im Ornumer Garten begraben. Sie fand aber in der Gruft keine Ruhe und so trieb sie im Garten und auf dem Hofgelände mit einem gräulichen Spuk ewig Unfug wobei sie mehrfach gesehen wurde.
Pastor Burchardie aus Kosel sowie Dr. Jacob aus Brodesby versuchten sie "zur Ruhe zu lesen". Lange Zeit wollte es nicht so recht klappen da die Zauberin ihnen immer wieder das Buch zuschlug. Endlich war sie besiegt. Doch sie sprach den Wunsch aus, jedesmal in der letzten Stunde eines jeden Jahres dem Herrenhaus um einen Hahnentritt näher zu kommen. Sollte sie es erreichen, geht das Herrenhaus in Flammen auf.
Mylords: Ehemalige Besitzer des Gutes
![]() Die Grabstelle der Mylords, Sie lebten um 1800, auf dem Gut Ornum. Koseler Friedhof. |
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Über Julie Mylord sollte man wissen, dass sie 1864, nachdem die Preußen bei der Schlacht gegen die Dänen Missunde in Brand geschossen hatten, die Häuser mit Hilfe preußischer Reparaturzahlungen wieder aufbauen ließ. Die von zwei Kanonenkugeln umgebenen Inschriften (18 - JM - 64) an zahlreichen Häusern in Missunde zeugen heute noch davon (siehe auch Gefecht 1864, J. Bubbe 1864 und Missunder Prahm)
Chr. Kock, Volks- und Landeskunde der Landschaft Schwansen, Neudruck Kiel 1975